Gedichte sind für mich eine Einladung zum Innehalten, zum Stolpern im Alltag, zum Erinnern oder Träumen. Gedichte muss man nicht verstehen oder sogar interpretieren. Man liest oder hört sie und manchmal passiert einfach nichts, man denkt vielleicht höchstens: aha, hmm. Aber manchmal stupfen sie irgendetwas in einem an, lassen etwas schwingen. Erzeugen ein Gefühl oder einen Gedanken, eine Erinnerung oder eine Vision. Und verändern etwas für einen Moment. Dann ist es Poesie.
Mit meinen Gedichten möchte ich poetische Momente erzeugen. In mir und in Anderen. Für mich sind Gedichte für alle Menschen da. Nicht jedes Gedicht kann jede Person zum Schwingen bringen, aber grundsätzlich können Gedichte sehr unterschiedliche Menschen anstupsen. Deshalb gehören sie für mich nicht (nur) in Gedichtbände oder Lyriklesungen, die von der Mehrheit der Menschen gar nicht wahrgenommen werden, sondern dürfen mitten im Leben auftauchen. Oder aufpoppen. Deshalb Popup-Poesie.
Popup-Poesie ist Nachfolgerin von schreib-t-raum. Zunächst war da der Versuch, sich Raum zu schaffen für einen Traum. Experimentierraum für mein Schreib-Ich. Irgendwann zeigte sich: Das Schreib-Ich ist eine Dichterin. Es schreibt am liebsten Gedichte, was genau man auch dazuzählen mag. Auf jeden Fall aber keine journalistischen Texte oder Romane oder wissenschaftliche Abhandlungen oder was man sonst noch alles so schreiben kann. Damit war es an der Zeit, die Poesie in den Alltag zu holen, raus aus dem Schreibtraumraum. Deshalb startete Popup-Poesie als neuer Blog.
Zu den Gedichten sollen sich Stempelmuster gesellen. Stempel zu designen, schnitzen und in verschiedenen Anordnungen, Farben, Kombinationen zu drucken habe ich Anfang 2024 für mich entdeckt und immer weiter gelernt und geübt. Dieser Prozess ist meditativ, der Kopf schaltet ab, weil die Konzentration ganz auf der Bewegung der Hände liegt. Ein einzelner Stempel ist (relativ) schnell geschnitzt, was er kann oder auch nicht zeigt sich mir erst im Musterspiel. Manches Muster stupst mich an wie ein Gedicht, erzeugt ein Gefühl, einen Gedanken, eine Vision. Jedes Gedicht enthält Muster, Rhythmen und Struktur. Deshalb passen die beiden Dinge für mich gut zueinander und sollen einander ergänzen. Hier kann beobachtet werden, wohin mich das Ausprobieren in meinem Musterpoesieraum führt.
Heike im Januar 2026