Blackout-Texte, nochmal anders

Vor Kurzem war ich bei der Jahrestagung des Segeberger Kreises. Das Thema dieses Jahr lautete: L…CKEN. Über das Verschwinden. Das war eine Steilvorlage für Blackout- oder Erasure-Texte. In einer kleinen, aber sehr feinen Gruppe von vier Frauen experimentierten wir vier Tage mit dieser Schreibform und waren sehr produktiv.

Drei Ergebnisse möchte ich mit euch teilen, jeweils eingescannt als Bild, weil die Anordnung der Wörter und die Gestaltung der Lücken mindestens so wichtig sind wie die verbliebenen Wörter selbst.

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eingedampft oder ausgestrichen

Unter der Überschrift „Eingedampftes“ habe ich im Schreibtraumblog ein Haiku eingestellt, das ich aus einem Gedicht von Friedericke Mayröcker geschrieben habe. Im Grunde war das auch Erasure-Poesie, weil ich nichts an dem Wortmaterial verändert und die Reihenfolge gleich gelassen habe. Deshalb wollte ich jetzt noch einmal schauen, wie es in Ausstreichungsform aussieht.

Grundlage ist ein Screenshot des Gedichts auf lyrikline.org, ich habe also digital ausgestrichen, nicht auf Papier. Heraus kommt dann das:

Zwischen in Buntstiftlook ausgestrichenen Zeilen bleiben die Worte: überaus schönes / im funkelnden Wind / welcher die Herzschläge zählt
Friedericke Mayröcker auf lyrikline.org – von mir ausgestrichen

Mir gefällt die Haikuform in diesem Fall besser. Aber einen Versuch war es wert.

Übrigens: Richtig coole Erasure-Poesie auf Deutsch und auf Englisch findet ihr bei @blackoutpoetry auf Instagram.

Ausgestrichene Poesie

Durch ein Flurgespräch bei der Arbeit habe ich mich vor Kurzem an die Ausstreichungen/Erasures von Christian Hawkey und Uljana Wolf erinnert und nochmal gelesen. Das Buch „SONNE FROM ORT“ ist 2012 bei kookbooks in Berlin erschienen. Uljana Wolf und Christian Hawkey nahmen sich die zweisprachige Ausgabe der „Sonnets from the Portuguese“ mit Tipp-Ex vor. Aus 44 Liebessonetten von Elizabeth Barrett Browning und deren Übersetzung von Rainer Maria Rilke wurden 88 Erasure-Gedichte über die Liebe, das Schreiben und anderes. Die Lücken, grafisch gestaltet von Andreas Töpfer, sind dabei genauso wichtig wie die stehengelassenen Worte. Sie öffnen Räume.

Gedichte 42 aus „Sonne from Ort“

Manchmal ertappe ich mich beim Grübeln darüber, was wohl im Ursprungsgedicht stand. Meist erfreue ich mich aber einfach an den gelungenen „Übersetzungen“ von Uljana Wolf und Christian Hawkey, die jeweils beide für sich stehen und zusammen nochmal ein drittes ergeben. Es sind Sätze wie „auf meine / lider / schichte / größere Gewichte“ (S. 9) oder „ich / war noch nicht im Schnee / geschult“ (S. 45) oder auch einfach das oben abfotografierte „an / aus“, die mich gefangen nehmen. „I wrote“ eine Leseempfehlung.